
Insights aus der Community 5: Lena Frei

Lena Frei: Warum sie in der Postapokalypse einen Garten anlegt
Wer an eine postapokalyptische Welt denkt, hat vielleicht verlassene Städte oder Überlebenskämpfe vor Augen. Bei Lena Frei wächst stattdessen ein Garten auf dem Dach eines Hochhauses.
In ihrem Spiel Skyfarm bauen die Spielenden ein kleines Ökosystem auf. Pflanzen und Böden beeinflussen sich gegenseitig, das Wetter verändert die Bedingungen. Inspiriert ist das gemütliche Spielerlebnis von der Permakultur – und von Lenas eigener Freude am Gärtnern.
«Ich gärtnere selber gerne. Darum war es naheliegend, ein Game über ein Thema zu machen, das ich selber toll finde.»
Zu Hause stehen Lena vor allem ein Balkon und ein kleines Vorgärtchen zur Verfügung. In Skyfarm darf es dafür ein ganzer Dachgarten auf einem Hochhaus sein.
Als Lena in einer Permakultur-Community auf Reddit nachfragte, welche Aspekte des Gärtnerns in einem Spiel vorkommen sollten, bekam sie auch einen überraschend einfachen Rat: Sie solle doch lieber draussen gärtnern.
Für Lena ist das kein Widerspruch. Schliesslich hat nicht jeder die Möglichkeit, selbst zu gärtnern. Skyfarm soll echtes Gärtnern nicht ersetzen, sondern eine andere Möglichkeit bieten, ökologische Zusammenhänge zu entdecken.
Die Idee entstand aus einem Forschungsprojekt: Wie können Spiele mögliche Zukünfte erfahrbar machen und komplexe Zusammenhänge vermitteln, ohne sie zu stark zu vereinfachen?
Warum schützt Mulch den Boden? Was passiert, wenn Wasser zu schnell verloren geht? In Skyfarm entdecken die Spielenden solche Zusammenhänge durch ihr eigenes Handeln.
«Im Spiel, wenn du die Zusammenhänge einfach durchs Machen verstehst, ist es spannender.»
Wer ist Lena Frei?
Lenas Weg verbindet Philosophie, Medienwissenschaften, visuelle Kommunikation und Spieleentwicklung. Was auf den ersten Blick nach unterschiedlichen Disziplinen klingt, gehört für sie ganz selbstverständlich zusammen.
«Ich habe das Gefühl, ich brauche immer noch fast täglich Sachen aus der Philosophie oder den Medienwissenschaften.»
Heute entwickelt Lena Skyfarm grösstenteils allein, arbeitet punktuell mit anderen zusammen und unterrichtet unter anderem Game Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK). Zusätzlich ist sie in einem Startup tätig, das ein Lernspiel mit KI-Figuren entwickelt.
Über die Medienwissenschaften kam Lena zu den Game Studies. Dabei beschäftigte sie zunehmend, wie stark Games unsere Kultur prägen – und wie wenig Aufmerksamkeit sie aus ihrer Sicht im Vergleich zu Film oder Literatur in Forschung, öffentlicher Diskussion und Kulturförderung erhalten. Lena wollte deshalb beides: Spiele untersuchen und selbst welche machen.
Was möchte Lena mit der Community teilen?
Games können mehr, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Sie ermöglichen es, Systeme zu erkunden, Entscheidungen zu treffen und deren Folgen zu erleben. Genau das macht sie für Lena zu einem spannenden Medium für Gestaltung und Forschung.
Gleichzeitig hält sie wenig von engen Vorstellungen darüber, wer zur Gaming-Welt gehört.
«Viel mehr Leute spielen, als sich als Gamer identifizieren.»
Ob jemand auf dem Handy spielt, Brettspiele mag oder gerne Die Sims startet: Für Lena braucht es keinen bestimmten Spielegeschmack, um dazuzugehören. Games sind längst in der Gesellschaft angekommen, auch wenn sich nicht alle Spielenden als Teil der Gaming-Kultur verstehen.
Was erwartet Lena von BaselTech?
Lena wünscht sich Unterstützung, die konkret etwas möglich macht: Räume für Treffen, Hilfe bei der Organisation von Veranstaltungen und Kontakte zu Menschen ausserhalb der eigenen Szene.
Denn Spieleentwicklung hat viele Berührungspunkte mit anderen Bereichen.
«Game Development ist einerseits Kulturgut und im Kreativen anzusiedeln. Andererseits ist es auch Softwareentwicklung.»
In der Basel Game Dev Association ist beispielsweise jemand dabei, der aus der Architektur kommt, Visualisierungen erstellt und daneben Games entwickelt. Auch Hochschulen bieten Anknüpfungspunkte: Lena erzählt von einem angedachten gemeinsamen Game Jam mit den Bereichen Gestaltung und Kunst, Wirtschaft und Informatik.
Als Vorbild nennt sie den Swiss Game Hub in Zürich. Dort gibt es Coworking-Möglichkeiten und eine vernetzte Szene, in der Studios ihr Wissen teilen.
«Wir sehen in Zürich, wie die Studios voneinander profitieren – von der Expertise, vom Know-how.»
In Basel möchte Lena auf dem bisherigen Austausch aufbauen: mit Unterstützung für Veranstaltungen, gemeinsamen Arbeitsräumen und Hilfe bei Studio-Gründungen. So könnten mehr Menschen ihre Spieleentwicklung vom Nebenprojekt zum Beruf machen.
Wie trägt Lena zur BaselTech Community bei?
Lena engagiert sich beim Aufbau der Basler Game-Development-Community. Gemeinsam mit anderen hat sie eine Basel Game Dev Association gegründet. Bei monatlichen Meetups treffen sich Menschen, die Spiele entwickeln, Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen.
«Gerade wenn ich allein an einem Projekt arbeite, ist es umso wertvoller, ab und zu Leute zu treffen, die das Gleiche machen.»
Schon in den ersten Monaten sind spontane Kooperationen entstanden. Menschen teilen Erfahrungen und bringen unterschiedliche Fähigkeiten ein – etwa wenn jemand Musik zu einem Spiel beitragen kann.
Und manchmal tut es einfach gut, gemeinsam darüber zu sprechen, warum etwas gerade nicht funktioniert. Besonders für Menschen, die allein oder in kleinen Teams entwickeln, ist dieser Austausch wertvoll.
Welche Herausforderungen haben Lena besonders geprägt?
Bei einem eigenen Spiel mangelt es selten an Ideen. Schwieriger ist die Entscheidung, welche davon tatsächlich hineingehören.
«Beim ersten Projekt kann man überhaupt nicht abschätzen, wie gross der Umfang sein kann.»
In der Spieleentwicklung heisst diese Versuchung «Feature Creep»: Hier noch eine Funktion, dort noch ein Detail – und plötzlich wird aus einer kleinen Ergänzung monatelange Arbeit.
Auch Lena kennt das bei Skyfarm. Deshalb versucht sie, den Umfang bewusst zu begrenzen und konkrete Ziele zu setzen. Neben Lehre und Startup-Arbeit braucht das eigene Projekt einen realistischen Rahmen.
Nicht jeder Zwischenstand muss perfekt sein. Manchmal reichen auch 80 Prozent, um weiterzukommen. Für Lena gehört es zum Entwicklungsprozess, den eigenen Aufwand besser einschätzen zu lernen.
Was begeistert Lena an ihrer Branche?
Lena fasziniert, dass Spiele Menschen Zusammenhänge selbst entdecken lassen. Gestaltung, Technologie und inhaltliche Fragen greifen dabei ineinander.
Auch beim eigenen Spielen mag sie unterschiedliche Erfahrungen. Stardew Valley gehört zu ihren Favoriten und hat Skyfarm beeinflusst – besonders durch den gemütlichen Charakter und die Pflege lokaler Beziehungen.
Daneben darf es gerne ein Shooter sein. Lena erzählt, dass sie gerade wieder Valorant spielt. Sie schätzt grosse Games ebenso wie kurze Erlebnisse, die vor allem durch ihre Atmosphäre wirken.
Wer ein gemütliches Gartenspiel entwickelt, muss schliesslich nicht immer friedlich Blumen giessen.
Ein Fun Fact über Lena
Wie erfährt man von einem Basler Game-Dev-Treffen? Manchmal offenbar beim Haareschneiden.
«Einmal ist jemand gekommen, weil sein Coiffeur ihm erzählt hatte, dass wir uns an diesem Tag treffen.»
Wer wiederum dem Coiffeur davon erzählt hatte, konnte die Gruppe bisher nicht herausfinden. Die Verbindung bleibt ein kleines Rätsel. Sicher ist nur: Für Community-Networking braucht es offenbar nicht immer LinkedIn.
Welches Learning möchte Lena teilen?
Nicht warten, bis man sich vollkommen bereit fühlt oder alle Voraussetzungen erfüllt.
Gerade bei Technologie können Berührungsängste entstehen: Kann ich genug? Muss ich programmieren können? Gehöre ich überhaupt dazu? Lena begegnet solchen Fragen pragmatisch.
«Ich glaube, man muss es einfach machen.»
Beim Ausprobieren lernt man, was man selbst umsetzen kann, wo Unterstützung sinnvoll ist und welche Idee vielleicht doch zu gross für das aktuelle Projekt wird.
Welchen Gedanken möchte Lena der Community mitgeben?
In Basel gibt es Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Hochschulen, kreative Arbeit und technisches Wissen. Lena sieht grosses Potenzial darin, diese Bereiche stärker miteinander zu verbinden.
«Die Game-Dev-Community ist sehr offen.»
Die Erfahrungen aus den ersten Monaten machen ihr Mut: Begegnungen führen zu gegenseitiger Hilfe und gemeinsamen Vorhaben. Für Lena ist das eine gute Grundlage, um die Basler Szene weiterzuentwickeln und neue Verbindungen zu schaffen.
Zum Schluss
Mit Skyfarm macht Lena ökologische Zusammenhänge spielbar. In Basel engagiert sie sich dafür, dass Menschen mit einer Leidenschaft für Games zueinanderfinden. Beides zeigt, was sie antreibt: ausprobieren, Zusammenhänge verstehen und gemeinsam Ideen weiterentwickeln.
Vernetze dich mit Lena Frei auf LinkedIn und erfahre mehr über ihre Arbeit.
Neugierig geworden? Entdecke Lenas Spiel Skyfarm und setze es auf deine Wishlist. Oder erfahre mehr über die Basel Game Dev Association und ihre Meetups.

Und wenn auch du deine Geschichte, Erfahrungen oder Learnings mit der BaselTech Community teilen möchtest, freuen wir uns, von dir zu hören. Vielleicht bist du schon bald Teil unserer nächsten Ausgabe von «Insights aus der Community».
Links:
Skyfarm auf Steam – entdecken und auf die Wishlist setzen
Lena Frei an der HGK Basel FHNW
Basel Game Dev Association – LinkedIn-Gruppe und Meetups
Interview geführt von: Marc Schindelholz
Autor: Daniel Vogt


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