
Insights aus der Community 3: Rolf Schaub

In Basel entstehen jeden Tag spannende Ideen – und dahinter stehen Menschen mit Neugier, Mut und einer grossen Leidenschaft für Technologie. Genau diese Tech Minds möchten wir bei BaselTech sichtbar machen.
In unserem monatlichen Community-Interview rücken wir die Menschen hinter Projekten, Startups und Unternehmen ins Zentrum. Wir sprechen mit Gründerinnen und Gründern, Entwicklerinnen und Entwicklern sowie anderen Macherinnen und Machern über ihre Motivation, ihre Erfahrungen und die Ideen, die sie antreiben. Dabei geht es nicht um Werbung, sondern um persönliche Geschichten, Learnings und Perspektiven.
Die Interviewreihe gibt ehrliche Einblicke in die Basler Tech-Szene, macht spannende Menschen und ihre Ideen sichtbar und schafft neue Verbindungen innerhalb der Community.
Rolf Schaub: Warum Talente oft früher entdeckt werden müssen
Manche Menschen begeistern sich für Technologie, weil sie gerne programmieren. Bei Rolf Schaub begann die Faszination schon viel früher – mit der Frage, wie Maschinen überhaupt intelligent werden können.
Bereits Anfang der 1980er-Jahre beschäftigte er sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz – lange bevor das Thema breite Aufmerksamkeit erhielt.
„Was mich aber schon damals sehr stark umgetrieben hat, war die Künstliche Intelligenz.“
Sein beruflicher Weg führte ihn zunächst in die Softwareentwicklung und IT-Beratung. Dort arbeitete er unter anderem mit Banken und Versicherungen zusammen. Mit der Zeit wurde ihm jedoch bewusst, dass technisches Wissen allein nicht ausreicht. Wer die Digitalisierung langfristig mitgestalten möchte, muss Menschen früh dafür begeistern.
Aus dieser Erkenntnis entschied sich Rolf für den Wechsel in die Berufsbildung. „Step by step habe ich das umgesetzt“, erinnert er sich. An der Gewerblich-industriellen Berufsfachschule Muttenz (GIBM) unterrichtete er viele Jahre Informatik-Lernende und verantwortete später die Informatikausbildung der Nordwestschweiz mit.
Mit einem Schmunzeln beschreibt er diese Zeit so:
„Jeder Informatiker, der in der Nordwestschweiz eine Lehre gemacht hat und heute unter 40 ist, ging irgendwann bei mir durch.“
In dieser Zeit erkannte er immer wieder, dass viele Talente unentdeckt blieben – nicht weil sie fehlten, sondern weil sie zu spät erkannt wurden.
Ein Schlüsselmoment war ein Zukunftstag, an dem Schülerinnen einen Einblick in die Informatik erhielten. Obwohl Rolf bei einigen grosses Potenzial erkannte, entschied sich später keine von ihnen für eine Informatiklehre. Diese Erfahrung brachte ihn zum Nachdenken.
Die entscheidende Idee fand er schliesslich an einem ganz anderen Ort.
„Im Fussball schicken wir Scouts auf die Fussballplätze. Warum machen wir das nicht dort, wo wir dringend Fachkräfte brauchen?“
Aus dieser Überlegung entstand ICT Scouts & Campus. Die Initiative ermöglicht Jugendlichen, ihre Begeisterung für Informatik und Technologie früh zu entdecken, eigene Projekte umzusetzen und ihre Talente unabhängig von Schulnoten weiterzuentwickeln. Gleichzeitig erhalten Unternehmen die Möglichkeit, junge Talente bereits früh kennenzulernen.
Auch heute liegt Rolf die Förderung junger Talente besonders am Herzen. Inzwischen beschäftigt er sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll und praxisnah eingesetzt werden kann. Dabei geht es ihm nicht darum, möglichst viele neue Tools einzuführen, sondern Chancen und Grenzen der Technologie zu verstehen.
Wer ist Rolf Schaub?
Seit mehr als vier Jahrzehnten beschäftigt sich Rolf Schaub mit Informatik und neuen Technologien.
„Ich bin wahrscheinlich ein Dinosaurier in dieser Branche“, sagt Rolf und lacht.
Mit ICT Scouts & Campus setzte er sich viele Jahre für die frühe Förderung junger Talente ein. Heute widmet er sich mit MintSafe einer neuen Herausforderung. Dort unterstützt er Unternehmen dabei, Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll und praxisnah einzusetzen. Gleichzeitig hat für ihn damit noch einmal ein neues Startup-Abenteuer begonnen.
Wer Rolf kennenlernt, merkt schnell: Stillstand ist nicht sein Ding. Sobald ein Projekt läuft, sucht er bereits nach der nächsten Herausforderung.
„Mich interessieren Challenges. Wenn es mal läuft, dann wird es für mich langweilig.“
Was möchte Rolf mit der Community teilen?
Rolf möchte zeigen, dass Innovation nicht erst mit einer neuen Technologie beginnt. Gerade beim Thema Künstliche Intelligenz beobachtet er, dass viele Unternehmen von der Vielzahl neuer Angebote überfordert sind.
„Der Markt wird überschwemmt von Angeboten.“
Umso wichtiger sei es, zunächst die Grundlagen zu schaffen.
„Das wird nicht funktionieren, wenn die Basis nicht da ist, die Mitarbeitenden nicht ausgebildet sind und wissen, was sie dürfen und was nicht.“
Für Rolf beginnt Fortschritt deshalb nicht bei den neuesten Tools, sondern bei den Menschen, die sie sinnvoll einsetzen.
Was erwartet Rolf von BaselTech?
Von BaselTech wünscht sich Rolf einen Ort, an dem Wissen offen geteilt wird und Menschen aus unterschiedlichen Bereichen miteinander ins Gespräch kommen.
Besonders wichtig ist ihm der Austausch zwischen erfahrenen Fachpersonen, Startups und Unternehmen. Neue Ideen entstehen seiner Erfahrung nach selten isoliert, sondern fast immer dann, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.
Wie trägt Rolf zur BaselTech Community bei?
Rolf bringt seine langjährige Erfahrung aus den Bereichen Informatik, Berufsbildung und Künstlicher Intelligenz in die Community ein. Dabei teilt er nicht nur sein technisches Wissen, sondern vor allem seine Erfahrungen darin, wie Menschen neue Technologien erfolgreich kennenlernen und anwenden können.
Die Förderung junger Talente bleibt ihm auch heute ein wichtiges persönliches Anliegen. Mit MintSafe unterstützt er Unternehmen dabei, Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll und praxisnah einzusetzen.
Welche Herausforderungen haben Rolf besonders geprägt?
Eine prägende Erfahrung in Rolfs Laufbahn machte ihm deutlich, wie wichtig es ist, Menschen frühzeitig für Informatik und Technologie zu begeistern. In den 1990er-Jahren erlebte er in seiner Arbeit mit Banken und Versicherungen, dass viele Mitarbeitende zwar täglich mit Technologie arbeiteten, aber Schwierigkeiten hatten, digitale Werkzeuge wie Excel und deren Formeln korrekt einzusetzen.
Für ihn wurde klar: Der Zugang zu Technologie muss viel früher beginnen.
„Ich muss irgendwie weiter unten anfangen im Alter, damit das dann verhebt, wenn sie mal erwachsen sind.“
Diese Erkenntnis führte schliesslich zur Idee von ICT Scouts & Campus: Talente nicht erst dann zu suchen, wenn sie bereits eine Berufswahl getroffen haben, sondern sie früh zu entdecken und gezielt zu fördern.
Was begeistert dich an deinem Beruf / an deiner Branche?
Rolf begeistert vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich Technologie weiterentwickelt. Seit über vier Jahrzehnten begleitet er die Informatik – und erlebt bis heute, wie neue Entwicklungen bestehende Denkweisen verändern.
Besonders fasziniert ihn dabei die Künstliche Intelligenz. Für ihn geht es jedoch nicht darum, jedem neuen Trend hinterherzulaufen, sondern zu verstehen, wie Technologien sinnvoll eingesetzt werden können und welchen konkreten Mehrwert sie für Menschen und Unternehmen schaffen.
Gleichzeitig motiviert ihn die Arbeit mit Menschen. Ob Jugendliche, Lernende oder Unternehmen – Rolf schätzt es, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen den Zugang zu neuen Technologien zu erleichtern.
Ein Fun Fact über Rolf
Nach über vier Jahrzehnten in der Informatik, der Berufsbildung und der Talentförderung hätten viele wohl an den Ruhestand gedacht. Rolf entschied sich stattdessen dafür, noch einmal ein Startup zu gründen. Mit einem Augenzwinkern sagt er:
„Heute bin ich 66, Rentner. Und ich kann wahrscheinlich sagen: Ich bin der jüngste Startup-Gründer in der Nordwestschweiz.“
Für Rolf ist das der beste Beweis: Für Neugier und Unternehmergeist ist man nie zu alt.
Welches Learning möchte Rolf teilen?
Auf die Frage nach seinem wichtigsten Learning muss Rolf nicht lange überlegen. Er empfiehlt, sich eine einfache, aber entscheidende Frage zu stellen:
„Worin bin ich gut?“
Wer seine eigenen Stärken erkennt und weiterentwickelt, findet seiner Überzeugung nach leichter den richtigen Weg – beruflich wie persönlich. Genau dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit: Talente früh zu entdecken, Potenziale zu fördern und Menschen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden.
Welchen Gedanken möchte Rolf der Community mitgeben?
Rolf ist überzeugt, dass Innovation nicht im Alleingang entsteht. Sie lebt vom Austausch, vom Teilen von Wissen und von Menschen, die bereit sind, voneinander zu lernen.
Deshalb wünscht er sich eine Community, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt, Talente früh fördert und den Mut hat, neue Wege zu gehen. Gerade in der Region Basel sieht er grosses Potenzial, wenn Startups, Unternehmen, Bildungseinrichtungen und engagierte Menschen stärker zusammenarbeiten.
Zum Schluss
Wer mehr über Rolf Schaub, MintSafe oder ICT Scots & Campus erfahren möchte, findet in den Links weitere Informationen.

Und wenn auch du deine Geschichte, Erfahrungen oder Learnings mit der BaselTech Community teilen möchtest, freuen wir uns, von dir zu hören. Vielleicht bist du schon bald Teil unserer nächsten Ausgabe von «Insights aus der Community».
Links:
Interview geführt von: Marc Schindelholz
Autor: Daniel Vogt




